Archiv für den Monat: Januar 2017

Kataloge müssen nicht immer Hochglanz sein

Spätestens jetzt hat man sie stapelweise zu Hause: die bunten Kataloge der großen „Gartenversände“. Sie werben mit Hochglanzbildern. Eines ist schöner als das Andere.
Vergleicht man dagegen die Drucke der „normalen“ Baumschulen, dann erscheinen diese recht unspektakulär. Wer sich darin zurechtfindet, der kann jedoch eine ganze Menge nützlicher Informationen herauslesen. Ich habe etliche alte Kataloge großer Baumschulen im Regal stehen und nutze sie fleißig als Nachschlagewerke.

Lasst uns doch mal einen Blick auf diese Werke werfen.
Natürlich wird den botanischen Laien erst einmal stören, dass hier alles in „blödem Latein“ abgefasst ist. Aber das hat schon seinen Sinn.
Wir alle kennen den Löwenzahn. Oder die Pusteblume. Oder Hundeblume. Oder … Kuhblume, Moadogga, Mühlenbuschen…Da kann man schon mal aneinander vorbei reden.
Oder nehmen wir ein anderes Beispiel.

Wir haben eine Weihnachtsbaumplantage. Vor den Feiertagen kommen oft Leute die gern eine Blautanne, Edeltanne oder … was weiß ich wollen. Wenn ich etwas nachfrage, dann erfahre ich, dass sie eigentlich eine Blaufichte möchten. Die heißt: Picea pungens Glauca.
Wenn ich bei meinem Lieferanten für die neu zu pflanzenden Sämlinge etwas von Blau- oder Edeltanne erzählen würde, dann wären die Missverständnisse vorprogrammiert. Es gibt für fast jeden Baum oder Pflanze mehrere umgangssprachliche Bezeichnungen. Es gibt aber jeweils nur einen einzigen botanischen Namen. Daher kann man auch im Ausland in ein Aboretum oder einen botanischen Garten gehen ohne die Sprache zu verstehen, und wird trotzdem anhand der Schilder erkennen, um was für ein Gewächs es sich eigentlich handelt. Das ist doch total klasse! Oder?
Wer sich mit den botanischen Namen nicht auskennt, der braucht sich zumindest zu Hause keine Sorgen machen. Google weiß auch hier Rat. Man sucht Informationen zum Wacholder? Kein Problem!

Bildquelle: Google

wacholderDa steht es ja: Wissenschaftlicher Name = Juniperus.

Nun braucht man nur noch im Baumschulkatalog danach zu suchen. Übrigens stehen dort immer die Laub- und die Nadelgehölze getrennt. Meist beginnen sie mit den Laubgehölzen und dann folgen die Nadelgehölze. Die Rhododendren stehen manchmal für sich allein (mit den Azaleen) oder sind eingeordnet. Da muss man mal schauen. Das gilt auch für Rosen und Obstgehölze. Hier wird oft ganz unterschiedlich verfahren. Am Besten schaut man im Inhaltsverzeichnis nach.

 

Ich nehme mir also meinen sehr alten, schon recht zerflederten Lieblingskatalog. Der stammt von der Baumschule Lorberg und ist tatsächlich noch aus dem „vorigen Jahrhundert“. Das tut der Sache keinen Abbruch, denn es geht mir heute um die Informationen zu den Pflanzen.

Lorberg

wacholder2folgende Bildquellen: Lorberg – Katalog

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Juniperus stehen hier von Seite 264 bis 270. Das sind 22 verschiedene Wacholder. Allein bei den kriechenden Wacholdern gibt es recht unterschiedliche Formen. Hier kann man sich beispielsweise informieren, welcher Juniperus genau so wächst wie man es haben will. Da ist es schon gut, wenn man sich vorher über die einzelnen Juniperus etwas genauer informiert und dann nicht das falsche Exemplar in den Garten pflanzt.

Die botanischen Namen bestehen aus einem Gattungs- und einem Artnamen. Das ist wie Familienname und Vorname. Der Gattungsname wird großgeschrieben, der Artname dagegen klein. Z.B. Juniperus communis. Gibt es noch mehrere Varietäten (Abwandlungen, „Versionen“) davon, wird das auch noch angehängt. Bei Zuchtformen gibt es oft noch den Namen, den man dieser besonderen Pflanze verliehen hat. Wie beim Juniperus squamanta “Blue Carpet“.

wacholder3

 

Über die Sonnenzeichen rechts über der gezeichneten Pflanze brauche ich sicher nichts zu sagen. Die erklären sich von allein. Volle Sonne, Sonne, Absonnig (keine pralle Sonne in der Mittagszeit), halbschattig oder als vollkommen ausgefüllter Kreis dann Vollschattig.

Was bedeutet aber 2xv. und das m.B. ?

2xv = zwei Mal verpflanzt. Diese Pflanze hat also während ihres bisherigen Lebens nicht immer an einer Stelle gestanden, sondern ist (mindestens) zweimal verpflanzt worden. Das ist wichtig, damit der Wurzelballen klein und kompakt bleibt und der Wacholder später besser anwächst.  (Es erklärt aber auch gleichzeitig die etwas höheren Preise, denn  das Verpflanzen macht Arbeit  – und die schlägt sich in den Kosten nieder.)

m.B. bedeutet mit Ballen. Das ist natürlich immer besser als o.B., was dann ohne Ballen heißen würde. Wäre dann aber auch natürlich etwas preiswerter.

Es gibt auch noch (an anderer Stelle) Tb. = Topfballen. Das sind die Gefäße die wir so im allgemeinen als Blumentöpfe bezeichnen. Und außerdem findet man noch Co. Container werden Behälter mit mindestens 2 Litern Inhalt (Erde und Wurzelwerk) bezeichnet.

Die Infos zu Wuchs, Rinde, Laub, Standortansprüchen und Verwendung sind auch immer recht hilfreich.

Richtig interessant wird es aber dann, wenn du den Wacholder nicht nur als schmückendes Element im Garten haben willst, sondern in dem Fall, dass man seine Beeren in die Suppe oder an den Braten geben möchte. Es gibt nämlich eine Art die sich so gar nicht für diese Verwendung eignet. Es handelt sich dabei um den Sadebaum (Juniperus sabina). In die Küche sollten nur Beeren kommen, die vom Gemeinen Wacholder (Juniperus communis) stammen.

Wer sich darüber vorher informiert, der spart sich das Rätselraten, ob die Beeren nun in den Topf dürfen oder auch nicht.

In so einem Baumschul-Katalog findet man aber auch noch weitere Informationen. Baum ist längst nicht gleich Baum! Sehen wir uns mal das Beispiel einer Birke an:

betula

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da steht Heister. Was ist denn das?

Wikipedia beschreibt das hier sehr schön:

Heister (abgeleitet vom mittelhochdeutschenheister = junger Buchenstamm) ist eine in der Fachsprache der Forstwirtschaft und im Gartenbau verwendete Pflanzenklassifizierung. Sie steht für (meistens in Baumschulen herangezogene) junge, jedoch bereits zweimal verpflanzte, 1,25 bis 2,50 m hohe Laubbäume.

Heister weisen zwar seitliche Äste, aber noch keine Krone auf. Sie müssen jedoch einen geraden Leittrieb aufweisen (bei manchen Arten sind auch mehrere erlaubt) und die Seitentriebe sollten bereits verzweigt sein, ihre Entwicklung muss jedenfalls arttypisch ausgebildet sein. Die maximale Standzeit in der Baumschule nach dem letzten Verpflanzen darf nach den einschlägigen Qualitätsbestimmungen drei Jahre nicht überschreiten.

2xv.  und m.B. sind inzwischen klar.

150 – 200 und die Angaben darunter beziehen sich auf die Höhe.

3xv. kann ja nur dreimal verpflanzt bedeuten.

D.B. ? Drahtballen. „Normale“ Ballen werden mit einer Art Jute umwickelt. Werden die Wurzelballen zu groß, geht das nicht mehr, dann nimmt man Draht. (Ein Wurzelballen muss immer im Verhältnis zur Krone stehen, sonst ist das kein seriöser Anbieter)

Hochstämme und Stammbüsche sind noch irgendwie selbsterklärend.Oder?

Hochstämme sind Bäume, die eine klare Gliederung in Stamm und Krone aufweisen. Die Anzucht qualitativ guter Hochstämme erfordert neben guter Bodenvorbereitung regelmäßige Schnitt- und Bindemaßnahmen, um einen geraden Wuchs und eine gut ausgebildete Krone zu erhalten. Die Hochstämme kleinwüchsigerer Arten (z.B. Zieräpfel) werden gerne in Privatgärten als Solitärbäume ,in Promenaden oder öffentlichen Pflanzflächen verwendet. Die größeren Arten (z.B. Spitzahorn) finden vorrangig Verwendung als Straßenbäume aber auch in Parkanlagen.

Quelle: http://www.hortipendium.de

Heister, welche über 2,50 m hoch sind und bereits dreimal verpflanzt wurden, werden als Stammbusch bezeichnet und müssen mindestens nach jedem 4. Standjahr verpflanzt werden.

Quelle: wikipedia

Wieso werden die Bäume aber auf einmal kleiner?
Vorher stand dort 400 – 500 und dann folgt 14 -16. Ist doch komisch.
Ab einer gewissen Größe und Qualität werden die Bäume nicht mehr mit der Größe, sondern per Stammumfang angegeben. Der Stamm wird in 1m Höhe gemessen und diese Angaben dienen nun als Maß.

Aber was bedeutet Solitär? Das heißt soviel wie Einzelstand. Diese Bäume sind so aufgewachsen, dass sie nicht mit anderen „Artgenossen“ konkurrieren mussten. Sie hatten genug Platz und sind daher rundherum „gleichmäßig schön“.

Ist schon spannend, was man in so einem „langweiligen“ Katalog so alles entdecken kann!

Ich habe übrigens die Preise mit Photoshop entfernt. Die sind ja eh nicht mehr aktuell und tun auch nix zu Sache.

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Alle Jahre wieder

… gibt es einen Baum des Jahres, eine Blume, ein Heilkraut … usw.

Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz hat sich die Mühe gemacht, einmal alles aufzulisten und mit den entsprechenden Links zu versehen.

Direkt zur Seite geht es hier: http://www.gartenakademie.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/561ae14211da8d55c1256f420024468b/27413a3043217a40c1257c5c003dd6f9?OpenDocument

Pflanzen des Jahres 2017

Durch die Wahl einer „Pflanze des Jahres“ möchten die jeweiligen Interessengruppen das Augenmerk ein Jahr lang auf eine aus ihrer Sicht interessante, schützens- oder erhaltenswerte Pflanze richten.
Daraus erklärt sich, dass es inzwischen mehrere regional unterschiedliche Streuobstsorten des Jahres gibt.

XYZ des Jahres 2017 gewählt durch
Arzneipflanze Saathafer (Avena sativa) Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg
http://www.presse.uni-wuerzburg.de/einblick/single/artikel/der-saathafer-ist-arzneipflanze-des-jahres-2017/
Baum Gewöhnliche Fichte (Picea abies) Kuratorium „Baum des Jahres“ (KBJ) www.baum-des-jahres.de
Blume Klatschmohn (Papaver rhoeas) Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmid
http://www.loki-schmidt-stiftung.de/projekte/aktuelle_blume_des_jahres.php
Flechte Hepps Schönfleck (Variospora flavescens) Bryologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa
http://www.blam-hp.eu/mofledJ17.html
Gemüse Steckrübe oder Kohlrübe (B. napus ssp. napobrassica L.) Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt
e. V
https://www.nutzpflanzenvielfalt.de/steckr%C3%BCbe-gem%C3%BCse-der-jahre-201718
Giftpflanze Tränendes Herz (Lamprocapnos spectabilis) botanischer Sondergarten Wandsbek
http://www.hamburg.de/wandsbek/gdj-2017-traenendesherz/
Heilpflanze Gänseblümchen (Bellis perennis NHV Theophrastus
http://www.nhv-theophrastus.de/index.php?option=com_content&view=article&id=247:2016-12-07-13-55-30&catid=94:2016-06-08-06-51-43&Itemid=258
Moos Weiches Kamm-Moos (Ctenidium molluscum) Bryologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa
http://www.blam-hp.eu/mofledJ17.html
Orchidee Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO)
http://www.orchideen-deutschlands.de/index.php/die-orchidee-des-jahres-2017
Pilz Judasohr, Holunderpilz
(Auricularia auricula-juda
)
Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V.
https://www.dgfm-ev.de/presse-und-aktuelles/pilz-des-jahres/pilz-des-jahres-2017-judasohr
Staude Bergenie (Bergenia) Bund Deutscher Staudengärtner
http://www.staude-des-jahres.de/content/bergenia.php?subnav=bergenia
8regionale) Streuobstsorte
  • Erbachhofer Mostapfel (Saarland, Rheinland-Pfalz),
  • Sonnenwirtsapfel (Baden-Württemberg),
  • Wetzlarer Hartapfel (Hessen)

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